Vorwort
Oh scheiße, wie lange ist es her, dass ich meine letzte Plattenkritik schrieb… 5 Jahre, 7 Jahre? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall eine verdammt lange Zeit. Und nun soll ich objektiv über etwas schreiben, was mit subjektiv gefällt / nicht gefällt ohne dabei ausschließlich das beigelegte Infoblatt zu zitieren? Oh, wie ich diese Herausforderung früher liebte und der Aufgabe niemals gerecht wurde. So auch sicherlich nicht bei diesem Rundling!
Stian Shiver, der dem einen oder anderen vielleicht durch die Elektropop-Kapelle Portash bekannt sein könnte, legt mit “Hibernation” sein erstes Soloprojekt vor. Während ich in Kopenhagen am Amager Strand liege und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lasse, tauche ich in Stians musikalische Welt ein. Erster Eindruck: hier haben Depeche Mode Pate gestanden. Nach 52 Minuten Spielzeit: ein netter Soundtrack, um die Seele baumeln zu lassen und einfach nur so vor sich hinzuvegetieren. Die perfekte Hintergrundsmusik also: nicht überfordernd, jedoch auch nicht wirklich catchy und überraschend; selten schwülstig, aber auch nicht belanglos. Die sonst eher mechanisch wirkenden Songs werden zuweilen durch Gitarren-Einspengsel aufgepeppt, was meines Erachtens sehr gut funktioniert. Das Klangbild hätte noch dichter sein können, sodass sich der Hörer noch besser in den Sphären von “Hibernation” treiben lassen kann. Dieser Eindruck wird wahrscheinlich auch durch die zwar klare, aber etwas dünne und glattgebügelte Produktion geschürt. Was den Gesang von Stian betrifft, kann ich dem Schreiberling von Orkus, der die “emotionale Intensität sowie eine grandiose, ausdruckstarke Stimme des Sängers” lobt, leider nur bedingt beipflichten. Stian verfügt ohne Frage über ein “dem Genre angebrachtes” Organ, unweigerlich kommt mir Dave Gahan in den Sinn. Auch in Sachen Intonation habe ich konnte ich keine gravierenden Mängel feststellen, nur fehlt mir desöfteren die Variabilität. Nicht selten trällert Stian ein wenig eintönig, gleichförmig und vermag es nicht, sich mit seiner Stimme ausreichend vom restlichen Klanggeflecht abzuheben. Da ich Texten in der Regel keine große Bedeutung beipflichte, beließ ich es auch im Falle von “Hibernation” bei einem oberflächlichen Durchblättern des Booklets. Was ich da zu lesen bekam, waren klare Worte mit großen Emotionen und viel Pathos – wer’s mag.
Fazit (in Schlagworten)
Leicht verdaulich, easy listening, Hintergrundmusik (positiv gemeint), für Fans des Genres und von Depeche Mode.
PS.: Das war meine letzte Rezension ever!
Tags: Depeche Mode, Dresden, Elektropop, Emotion, Gruftieroots, Hibernation, Pathos, Portash, Stian Shiver, Synthiepop
